Klassenfunk, Thema: TK-Studie „Jugend zwischen Like und Limit"
+1 · Was Jugendliche selbst sagen AUSGABE AUGUST 2026

Die Mehrheit der Jugendlichen will ein Social-Media-Verbot. Für sich selbst.

TK-Report, veröffentlicht 27.08.2026 Repräsentativ, 12 bis 17 Jahre Befragung: eye square

Was steht drin?

Am 27. August 2026 stellte die Techniker Krankenkasse in Berlin ihren Social-Media-Report „Jugend zwischen Like und Limit" vor. Grundlage ist eine repräsentative Online-Befragung des Instituts eye square unter Zwölf- bis Siebzehnjährigen. Anlass ist die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, wie es Australien eingeführt hat und wie es in Deutschland diskutiert wird. Die TK fragte die, um die es geht: die Jugendlichen selbst.

Das Ergebnis klingt wie ein Widerspruch. 80 Prozent sagen, Social Media tut ihnen eher gut oder sehr gut. Sie nutzen es, um Spaß zu haben (77 Prozent), zum Chillen und gegen Langeweile (75 Prozent) und um mit Freund:innen in Kontakt zu bleiben (64 Prozent). Gleichzeitig sind 55 Prozent für ein Verbot: 8 Prozent für ein grundsätzliches Verbot für Kinder und Jugendliche, 47 Prozent für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter. Diese Gruppe wünscht sich im Schnitt eine Grenze bei 14 Jahren. 39 Prozent lehnen ein Verbot ab.

Was nervt am meisten? Nicht die Eltern. Auf Platz eins steht zu viel Werbung (57 Prozent), dann Fake News (52), zu viel Online-Zeit (36), Mobbing und Beleidigungen (35), unangemessene Bilder wie Gewalt (31). Die Jugendlichen sehen die Probleme also durchaus, und sie sehen sie bei den Plattformen, nicht bei sich.

Die Dosis macht den Unterschied

Der Report vergleicht Jugendliche, die täglich vier Stunden oder mehr auf Social Media sind, mit denen, die ein bis zwei Stunden nutzen. Die Unterschiede sind deutlich: Knapp die Hälfte der Vielnutzer:innen berichtet, oft oder ständig schlechte Laune zu haben. Bei den Wenignutzer:innen ist es jede:r Fünfte. Ähnlich bei Unsicherheit und Zweifel (41 gegenüber 22 Prozent), Unzufriedenheit mit sich selbst (40 gegenüber 22), Gereiztheit oder Wut (39 gegenüber 14), innerer Unruhe (39 gegenüber 17) und Erschöpfung (39 gegenüber 22). Auch körperlich: Schlafprobleme, Kopfschmerzen und Verspannungen kommen bei Vielnutzer:innen häufiger vor.

TK-Chef Jens Baas ordnete das so ein: Ein pauschales Verbot greife zu kurz, Medienkompetenz sei der Schlüssel. Die Zahlen passen zu einer Metastudie aus 2025, die vor allem intensive Nutzung mit schlechterem Wohlbefinden verbindet, nicht Nutzung an sich.

Unsere Einordnung

Eine Befragung zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen. Wer viel scrollt, hat vielleicht schon vorher schlechte Tage und scrollt deshalb. „Schlechte Laune" ist Selbstauskunft, kein Befund. Das gab auch der Kommunikationswissenschaftler Julius Klingelhoefer (FAU Erlangen-Nürnberg) gegenüber dem Science Media Center zu bedenken. Was den Report trotzdem stark macht: Es wurden die Jugendlichen gefragt, nicht ihre Eltern. Genau diese Stimme fehlt in der Verbotsdebatte meistens.

Die Zahlen

55 %sind für ein Social-Media-Verbot, davon 8 % grundsätzlich, 47 % bis zu einem Alter
80 %sagen, Social Media tut ihnen eher gut oder sehr gut
14 Jahrewünschen sich die Befürworter:innen im Schnitt als Altersgrenze
39 %lehnen ein Verbot ab
57 %nennen zu viel Werbung als größten Störfaktor, vor Fake News (52 %)
~50 % vs. 20 %oft schlechte Laune: Vielnutzer:innen (4+ Std.) gegenüber Wenignutzer:innen (1–2 Std.)

Begriffe, die deine Klasse benutzt

RepräsentativDie Befragten sind so ausgewählt, dass sie die Altersgruppe in Deutschland abbilden. Das Ergebnis lässt sich also verallgemeinern, mit Unsicherheit.
KorrelationZwei Dinge treten zusammen auf. Sagt nichts darüber, was Ursache und was Folge ist. Der häufigste Denkfehler beim Lesen von Studien.
SelbstauskunftDie Befragten schätzen sich selbst ein. Ehrlich, aber ungenau: Wer misst schon seine Laune?
MetastudieFasst viele Einzelstudien zusammen und rechnet sie gemeinsam aus. Robuster als eine einzelne Befragung.

Die Unterrichtsideen im Detail

💡 Politik, Ethik, Klassenleitung: Die Klasse stimmt ab+

Einstieg (10 Min.): Anonyme Abstimmung auf Zetteln: Verbot ja oder nein? Wenn ja, ab welchem Alter? Ergebnis auszählen und an die Tafel.

Vergleich (15 Min.): Die TK-Zahlen zeigen: 55 zu 39 Prozent, Grenze 14 Jahre. Liegt die Klasse darüber oder darunter? Wer ist überrascht, und warum?

Diskussion (15 Min.): Warum wünscht man sich Grenzen für etwas, das einem guttut? Was unterscheidet eine Regel von außen von einer, die man sich selbst gibt? Wer sollte entscheiden: Staat, Eltern, Plattform, man selbst?

Abschluss (5 Min.): Jede:r schreibt eine Regel auf, die sie sich selbst geben würde. Einsammeln, in zwei Wochen noch mal anschauen: Wer hat sie eingehalten?

💡 Mathe, Deutsch: Eine Zahl, zwei Schlagzeilen+

Einstieg (5 Min.): Zwei Zahlen aus derselben Studie an die Tafel: „80 % finden Social Media gut" und „55 % wollen ein Verbot". Frage: Widerspricht sich das? (Nein: Man kann etwas gut finden und trotzdem Grenzen wollen.)

Erarbeitung (20 Min.): In Paaren zu beiden Zahlen je eine Schlagzeile schreiben, einmal für eine Boulevardzeitung, einmal für eine seriöse Zeitung. Vier Schlagzeilen pro Paar.

Vergleich (15 Min.): Schlagzeilen vorlesen. Welche bleibt hängen? Welche ist trotzdem korrekt? Was hat der Autor weggelassen? Dann der Korrelations-Test: „Viel Social Media macht schlechte Laune", stimmt das aus der Studie? Oder nur: „Wer viel Social Media nutzt, hat häufiger schlechte Laune"?

Abschluss (5 Min.): Merksatz gemeinsam formulieren: Was macht eine Zahl zur Nachricht, und was macht sie zur Wahrheit?

QUELLEN

Techniker Krankenkasse, Social-Media-Report „Jugend zwischen Like und Limit", Pressekonferenz Berlin, 27.08.2026. Repräsentative Online-Befragung durch eye square, 12 bis 17 Jahre. TK-Pressemitteilungen 27.08.2026 (Bundes- und Länderergebnisse). Deutsches Ärzteblatt, 27.08.2026 (Detailzahlen Wohlbefinden, Einordnung Klingelhoefer / SMC). Monitor Versorgungsforschung, Wir Techniker (Nutzungsmotive, Dosis-Vergleich). Genaue Fallzahl im Volltext des Reports.

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